Radierwerkstatt

Radierwerkstatt Uwe Teichmann

„Die Geduld farbiger Linien“
FARBDRUCKE AUS DER OFFENEN RADIER WERKSTATT IM WESTEND In der offenen Radierwerkstatt im Westend treffen sich einmal wöchentlich seit sieben Jahren professionelle Künstler und solche, die in anderen Berufen arbeiten. Alle notwendigen Utensilien: Papier, Farben, Säuren zum Ätzen und eine Druckpresse sind vorhanden, als freier Künstler und Werkstattleiter bin ich für alle technischen und gestalterischen Fragen offen. Durch die langjährige Teilnahme der meisten NutzerInnen hat sich eine Gruppe gebildet, in der Dialog und gegenseitige Anregung die individuellen Arbeiten begleiten. Themen und Motivsuche liegen in der Entscheidung der KünstlerInnen, da dies die beste Voraussetzung zur Entwicklung einer eigenen Bildsprache ist. Bei aller Unterschiedlichkeit gibt es auch Gemeinsamkeiten: die Gegenständlichkeit der verschiedenen Bildwelten und ein Interesse an der sozialen und natürlichen Umwelt der Menschen. Die Radierung ist eine alte Drucktechnik, deren erste Höhepunkte durch Rembrandt gesetzt wurden. Francisco Goya schuf im 18. Jahrhundert Zyklen von Radierungen, die die Schrecken des Krieges und der Inquisition zum Thema machten. Er steht damit auch für eine Tradition der Radierung und Druckgrafik, die humanistischen und sozialen Belange der eigenen Zeit sichtbar zu machen, während die Malerei zu Goyas Zeit oft repräsentativen Aufgaben für Adel, Kirche und Großbürgertum verpflichtet war. William Hogarth in England und Daumier in Frankreich folgten in diesem Sinn im 19. Jahrhundert. Die Möglichkeit der Vervielfältigung förderten die Verbreitung der Bilder und auch ihre Bezahlbarkeit. Nach dem ersten Weltkrieg erlebte die Radierung eine Renaissance durch die deutschen Expressionisten wie Otto Dix, Alfred Kubin und Max Beckmann. Auch Picasso und Horst Jansen fanden in gestalterischer Hinsicht und durch technische Experimente neue und zeitgemäße Ausdrucksformen in dieser Drucktechnik. Grundlage des Radierens ist die Zeichnung, die eine aufmerksame Beobachtung und geduldige Umsetzung erfordert. Diese Zeichnung wird durch Ätzen in eine Metallplatte vertieft. Durch direkte Bearbeitung der Druckplatte können zeichnerische Akzente gesetzt werden, die Aquatintatechnik ermöglicht die Betonung von Flächen, mit Vernismou kann man nicht nur der Kreide ähnliche Striche erzielen, sondern auch makroskopische Wiedergabe von organischen oder anorganischen Strukturen. Die so bearbeiteten Druckplatten können schwarzweiß oder mehrfarbig gedruckt werden. Verschiedenfarbige Versionen können unterschiedliche Interpretationen eines Motivs formulieren. Diese Möglichkeit der Variationen wird von den Mitgliedern der offenen Radierwerkstatt häufig realisiert. Die Unterschiedlichkeit der Farben dient nicht der naturalistischen Abbildung von Stimmung, sie zeigt eher auf die Anbivalenz von Schönheit und Erschrecken vor der Vergänglichkeit. Der Weg zum Bild mit der Technik der Radierung erfordert ebenso Spontaneität wie Ausdauer und Geduld. Dies ist ein Lob der Langsamkeit und bewusster Widerspruch zum „schneller, weiter, immer schneller“ der globalisierten Dienst-Leistungsgesellschaft . Die Radierwerkstatt ist sowohl für Laienkünstler als auch für KünstleInnen, die die Möglichkeiten der Werkstatt nutzen wollen, offen. Die Vermittlung und Erprobung technischer Fähigkeiten wird ergänzt durch die Reflexion individueller Arbeiten. Uwe Teichmann Öffnungszeiten:

  • dienstags, 19 - 22 Uhr, bei Bedarf können weitere Termine vereinbart werden.